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Netzwerk

Mehr Netzwerkanschlüsse am Arbeitsplatz: Wann ein zusätzlicher Switch zum Problem wird

Von Timo Felderhoff · Veröffentlicht am 25.09.2026 · 7 Min. Lesezeit

Wenn aus zwei fehlenden Netzwerkanschlüssen ein dauerhaftes Provisorium wird

Nichts hält länger, als ein gutes Provisorium – Teil 1 von 7. An einem Arbeitsplatz fehlen zwei Netzwerkanschlüsse, gleichzeitig müssen aber ein Rechner, ein Drucker und vielleicht noch ein weiteres Gerät angeschlossen werden. Statt neue Leitungen zu ziehen, wird ein kleiner Switch unter den Schreibtisch gestellt, ein vorhandenes Netzwerkkabel angeschlossen und das Problem ist innerhalb weniger Minuten gelöst.

Daran ist zunächst überhaupt nichts falsch, denn ein zusätzlicher Switch kann technisch eine vollkommen vernünftige Lösung sein. Problematisch wird es erst einige Jahre später, wenn aus dem ursprünglichen Behelf ein fester Bestandteil der Infrastruktur geworden ist, weitere Geräte angeschlossen wurden und niemand mehr weiß, wie viel vom Betrieb inzwischen von diesem unscheinbaren Kästchen unter dem Tisch abhängt. Genau solche Lösungen begegnen einem in gewachsenen Firmennetzen immer wieder.

Ein kleiner Switch ist nicht automatisch schlechte IT

Es wäre zu einfach, jeden zusätzlichen Switch außerhalb des Serverschranks als Fehler zu betrachten. Wenn an einem Arbeitsplatz dauerhaft drei Geräte benötigt werden, aber nur eine Netzwerkleitung vorhanden ist, kann ein kleiner Switch wirtschaftlicher und technisch sinnvoller sein als eine aufwendige Nachverkabelung durch mehrere Gebäudeteile.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob dort ein zusätzlicher Switch steht, sondern welche Aufgabe er inzwischen erfüllt. Versorgt er lediglich einen Arbeitsplatz und einen Drucker, ist sein Ausfall vermutlich überschaubar; hängen daran inzwischen ein WLAN-Zugangspunkt, mehrere Produktionsgeräte oder eine Verbindung in einen weiteren Gebäudeteil, hat sich seine Bedeutung erheblich verändert. Aus einer einfachen Erweiterung ist dann möglicherweise unbemerkt ein wichtiger Teil der Infrastruktur geworden.

Provisorien wachsen häufig mit, ohne dass jemand es bemerkt

Der typische Verlauf beginnt harmlos. Zunächst werden zwei zusätzliche Geräte angeschlossen, einige Monate später kommt noch ein Netzwerkdrucker hinzu und irgendwann benötigt ein Techniker für eine Maschine ebenfalls eine Verbindung, weil der Switch praktischerweise direkt daneben steht.

Nach einigen Jahren kann der kleine Switch acht Anschlüsse belegen und Systeme versorgen, die mit seiner ursprünglichen Aufgabe überhaupt nichts mehr zu tun haben. Solange alles funktioniert, gibt es keinen offensichtlichen Anlass, die Konstruktion zu hinterfragen, weshalb sie bei einer normalen Fernwartung leicht vollständig unsichtbar bleibt. Erst bei einem Ausfall wird deutlich, dass nicht nur der Arbeitsplatz betroffen ist, sondern plötzlich mehrere Geräte gleichzeitig verschwinden.

Genau deshalb gehört zu einer Bestandsaufnahme der Geräte im Firmennetz auch die Frage, wo Switches tatsächlich stehen und was daran angeschlossen ist. Eine Inventarliste, in der nur die zentrale Netzwerktechnik im Serverschrank auftaucht, kann solche gewachsenen Abhängigkeiten nicht abbilden.

Der Standort unter dem Schreibtisch bringt eigene Probleme mit

Ein Switch unter einem Schreibtisch arbeitet technisch nicht schlechter als derselbe Switch in einem Netzwerkschrank, seine Umgebung ist allerdings eine andere. Dort liegen möglicherweise Netzteile und Kabel lose im Fußraum, das Gerät wird beim Reinigen verschoben oder versehentlich mit dem Fuß getroffen, und niemand achtet darauf, ob Lüftungsöffnungen durch Staub oder andere Gegenstände verdeckt werden.

Hinzu kommt die Stromversorgung. Häufig hängt der kleine Switch an derselben Mehrfachsteckdose wie Rechner, Monitore, Ladegeräte und weitere Arbeitsplatztechnik, wodurch ein versehentlich gezogener Stecker nicht nur den Arbeitsplatz selbst, sondern alle darüber angebundenen Geräte betrifft. Je wichtiger der Switch im Laufe der Jahre geworden ist, desto weniger passt eine solche Umgebung zu seiner tatsächlichen Bedeutung.

Ein einfacher Switch liefert kaum Informationen bei der Fehlersuche

Viele kleine Arbeitsplatz-Switches sind sogenannte unmanaged Switches, die ohne Konfiguration funktionieren und für einfache Aufgaben vollkommen ausreichen. Ihr Nachteil zeigt sich bei Problemen, denn sie liefern kaum Informationen darüber, welche Geräte angeschlossen sind, ob eine Verbindung Fehler produziert oder welcher Anschluss möglicherweise nur noch mit geringer Geschwindigkeit arbeitet.

Bei einem zentral eingesetzten Managed Switch kann der IT-Dienstleister wesentlich mehr über Ports, Verbindungen und den Zustand der angeschlossenen Geräte erkennen. Das bedeutet nicht, dass jeder kleine Switch am Arbeitsplatz sofort gegen ein verwaltbares Modell ausgetauscht werden muss, wohl aber, dass ein ursprünglich unkritisches Gerät irgendwann für eine Aufgabe genutzt werden kann, für die seine eingeschränkten Diagnosemöglichkeiten nicht mehr ideal sind.

Gerade wenn über denselben kleinen Switch Produktionsgeräte oder andere wichtige Systeme angebunden werden, sollte geprüft werden, ob die Konstruktion noch zur heutigen Nutzung passt. Was für zwei Bürogeräte ausreichend war, muss nicht zwangsläufig die richtige Lösung für einen inzwischen wichtigen Netzwerkknoten sein.

Netzwerksegmentierung kann am kleinen Switch plötzlich scheitern

Ein weiterer Punkt wird relevant, wenn das Unternehmensnetz später stärker strukturiert werden soll. Büro, Produktion, Kameras, Gäste und andere Geräte können über getrennte Netzwerkbereiche voneinander abgegrenzt werden, damit ein Gerät nur auf diejenigen Systeme zugreifen kann, die es für seine Aufgabe tatsächlich benötigt.

Ein einfacher Switch unter dem Schreibtisch kann diese Struktur einschränken, wenn dort plötzlich Geräte aus unterschiedlichen Bereichen gemeinsam angeschlossen werden sollen. Dann reicht es nicht mehr, dass das Gerät einfach Netzwerkpakete verteilt; es muss möglicherweise verschiedene VLANs unterscheiden können oder die Verkabelung muss anders aufgebaut werden. Das ursprüngliche Provisorium wird dadurch spätestens dann sichtbar, wenn eine saubere technische Trennung umgesetzt werden soll.

Auch hier ist der Switch selbst nicht das Problem. Die Schwierigkeit entsteht dadurch, dass seine heutige Aufgabe nicht mehr zu der Situation passt, für die er ursprünglich angeschafft wurde.

Ein Ausfall zeigt, wie wichtig das Provisorium wirklich geworden ist

Die Bedeutung eines Geräts lässt sich oft mit einer einfachen Frage einschätzen: Was passiert, wenn ich dieses Gerät jetzt ausschalte? Wenn nur ein einzelner Arbeitsplatz für kurze Zeit keine Verbindung besitzt, ist das Risiko überschaubar und ein Ersatzgerät kann vermutlich schnell eingesetzt werden.

Wenn dagegen mehrere Maschinen, ein Drucker, ein WLAN-Zugangspunkt und ein weiterer Arbeitsplatz gleichzeitig verschwinden, handelt es sich längst nicht mehr um ein nebensächliches Zubehörteil. Der kleine Switch ist dann zu einem Single Point of Failure geworden, auch wenn er ursprünglich nur für zwei zusätzliche Netzwerkanschlüsse gedacht war.

Diese Betrachtung ist wesentlich hilfreicher als die pauschale Aussage, kleine Switches seien schlecht. Entscheidend ist die Auswirkung ihres Ausfalls und ob diese Auswirkung zum vorhandenen Ersatz- und Wartungskonzept passt.

Manchmal reicht es, das Provisorium endlich offiziell zu machen

Nicht jede gewachsene Lösung muss beseitigt werden. Vielleicht ist der kleine Switch genau dort weiterhin sinnvoll, die Verkabelung funktioniert zuverlässig und eine bauliche Erweiterung der Netzwerkanschlüsse wäre unverhältnismäßig teuer.

Dann kann die richtige Maßnahme darin bestehen, aus dem unbekannten Provisorium einen dokumentierten Bestandteil der Infrastruktur zu machen. Das Gerät bekommt einen nachvollziehbaren Standort in der Dokumentation, seine angeschlossenen Systeme werden erfasst und bei Bedarf wird ein geeignetes Modell eingesetzt, dessen Leistung und Verwaltungsfunktionen zur heutigen Aufgabe passen.

Auch die Verkabelung kann sauber befestigt, beschriftet und aus dem Fußraum herausgeführt werden. Dadurch muss die technische Grundidee überhaupt nicht verändert werden, obwohl die Zuverlässigkeit und Wartbarkeit deutlich steigen.

In anderen Fällen ist eine zusätzliche Netzwerkleitung die bessere Lösung

Es gibt allerdings Situationen, in denen sich das ursprüngliche Provisorium nicht mehr sinnvoll weiterentwickeln lässt. Wenn mehrere Arbeitsplätze, Maschinen oder weitere Switches hintereinander über eine einzige Leitung versorgt werden und die Struktur immer schwerer nachvollziehbar wird, kann eine saubere zusätzliche Verkabelung langfristig wirtschaftlicher sein.

Das gilt besonders bei Umbauten oder ohnehin geplanten Renovierungen, weil sich zusätzliche Netzwerkleitungen dann häufig mit deutlich weniger Aufwand verlegen lassen als in einem vollständig eingerichteten Betrieb. Eine Bereinigung eines gewachsenen Netzwerks muss deshalb nicht bedeuten, sämtliche Provisorien sofort zu entfernen, sondern sollte gute Gelegenheiten nutzen, um diejenigen Konstruktionen zu verbessern, die tatsächlich unnötige Abhängigkeiten erzeugen.

Vor Ort sieht man solche Dinge deutlich besser als über Fernwartung

Ein IT-Dienstleister kann aus der Ferne sehr viel über Server, Netzwerkgeräte und Arbeitsplatzrechner erfahren. Er sieht dabei aber nicht zwangsläufig, dass unter dem Schreibtisch seit acht Jahren ein kleiner Switch liegt, dessen ursprüngliche Aufgabe sich inzwischen vollständig verändert hat.

Genau deshalb ist eine regelmäßige Betreuung vor Ort sinnvoll. Bei einem Rundgang fallen zusätzliche Switches, lose Kabel, ungewöhnliche Verkabelungen und andere gewachsene Lösungen auf, die in keiner zentralen Verwaltungsoberfläche sichtbar sind. Daraus muss nicht jedes Mal ein Auftrag entstehen, aber zumindest kann beurteilt werden, ob die Konstruktion weiterhin problemlos funktioniert oder inzwischen ein unnötiges Risiko darstellt.

Wenn bei euch an verschiedenen Arbeitsplätzen kleine Switches stehen und niemand genau sagen kann, welche Geräte darüber angebunden sind, lohnt sich eine kurze Bestandsaufnahme. Häufig stellt sich heraus, dass einige dieser Geräte vollkommen sinnvoll eingesetzt werden, während andere über die Jahre Aufgaben übernommen haben, für die sie nie vorgesehen waren.

Der zusätzliche Switch unter dem Schreibtisch ist deshalb ein gutes Beispiel dafür, warum ein Provisorium nicht allein durch sein Alter schlecht wird. Entscheidend ist, ob noch bekannt ist, warum es dort steht, welche Systeme inzwischen davon abhängen und ob die Lösung heute noch genauso vernünftig ist wie an dem Tag, an dem sie ursprünglich „nur für kurze Zeit“ eingerichtet wurde.