WLAN
Der Router steht doch mitten im Haus. Warum reicht das trotzdem nicht?
Der Router steht ziemlich genau in der Mitte des Hauses. Nicht im Keller, nicht hinter drei Betonwänden und auch nicht irgendwo ganz am Rand. Trotzdem gibt es im Schlafzimmer Probleme, im Arbeitszimmer schwankt die Verbindung und auf der Terrasse reicht das WLAN nur noch an einigen Stellen zuverlässig.
Auf den ersten Blick wirkt das unlogisch. Wenn der Router zentral steht, müssten die Entfernungen doch in alle Richtungen ungefähr gleich sein.
Genau darin steckt aber eine der häufigsten Vereinfachungen beim Thema WLAN: Ein guter Standort lässt sich nicht allein mit dem Zollstock bestimmen.
Funk breitet sich nicht gleichmäßig durch einen Grundriss aus, weil ein Haus eben nicht aus leerem Raum besteht.
Die geometrische Mitte ist nicht automatisch die Funkmitte
Auf einem Grundriss lässt sich die Mitte eines Hauses ziemlich leicht bestimmen. Für WLAN ist diese Stelle aber nur dann gut, wenn von dort aus auch vernünftige Funkwege zu den wichtigen Bereichen bestehen.
Ein Schlafzimmer liegt vielleicht nur sechs Meter entfernt, dazwischen befinden sich aber zwei massive Wände. Das Wohnzimmer ist acht Meter entfernt und praktisch offen angebunden. Obwohl der Weg dorthin länger ist, kann die Verbindung deutlich besser sein.
Das ist derselbe Effekt, der erklärt, warum WLAN in benachbarten Zimmern völlig unterschiedlich funktionieren kann.
Auch mehrere Etagen machen die Sache schwieriger. Ein Router steht vielleicht perfekt in der Mitte des Erdgeschosses, während der tägliche Arbeitsplatz im Dachgeschoss liegt. Die Luftlinie bleibt überschaubar, der Funk muss aber durch eine oder mehrere Decken.
Die Mitte des Hauses ist deshalb ein vernünftiger Ausgangspunkt, aber keine Garantie.
Auch Möbel und Technik verändern den tatsächlichen Standort
Ein Router kann auf dem Papier zentral stehen und praktisch trotzdem ungünstig platziert sein.
Er landet im Schrank, hinter einem Fernseher oder zwischen anderer Technik, weil dort die Kabel ordentlich verschwinden. Manchmal steht er sehr niedrig oder direkt neben größeren metallischen Flächen.
Das Gerät befindet sich dann zwar weiterhin im richtigen Raum, seine unmittelbare Umgebung hat sich aber verändert.
Gerade bei Routern mit eingebautem WLAN wird leicht vergessen, dass das Gerät gleichzeitig zwei Aufgaben erfüllt. Es stellt die Internetverbindung her und versorgt das Haus per Funk.
Der beste Ort für den Internetanschluss ist dabei nicht automatisch der beste Ort für WLAN.
Deshalb kann es sinnvoll sein, beide Funktionen gedanklich voneinander zu trennen. Der Router darf dort stehen, wo die Anschlusstechnik vernünftig untergebracht ist, während die eigentliche Funkversorgung durch zusätzliche, passend platzierte WLAN-Zugangspunkte übernommen wird.
Wie weit das notwendig ist, hängt vom Gebäude ab.
Ein zentraler Router muss trotzdem gegen Decken ankämpfen
Besonders bei mehreren Etagen wird die Vorstellung von einer gleichmäßigen Funkblase schnell unrealistisch.
Der Router sendet zwar in verschiedene Richtungen, die Bedingungen sind aber nicht überall gleich. Eine massive Decke verhält sich anders als eine offene Treppe, eine Trockenbauwand anders als Stahlbeton.
Gerade in einem modernen Neubau können Fußbodenheizung, massive Decken und verschiedene Dämmmaterialien dazu führen, dass die Funkversorgung zwischen den Etagen deutlich schwächer ausfällt als erwartet.
Dann hilft es wenig, dass der Router horizontal betrachtet perfekt in der Mitte steht.
Das Haus muss dreidimensional betrachtet werden. Entscheidend ist, wo sich die tatsächlich genutzten Räume befinden und welche Hindernisse auf dem Weg dorthin liegen.
Die wichtigen Bereiche müssen nicht gleichmäßig verteilt sein
Hinzu kommt die Nutzung des Hauses.
Vielleicht wird im Gästezimmer nur gelegentlich ein Smartphone benutzt, während im Arbeitszimmer jeden Tag acht Stunden lang Videokonferenzen laufen. Auf der Terrasse wird im Sommer regelmäßig gearbeitet und im Kinderzimmer spielt jemand online.
Diese Bereiche stellen deutlich höhere Anforderungen an eine zuverlässige Verbindung als ein Flur oder Abstellraum.
Ein Routerstandort ist deshalb nicht gut, weil er mathematisch möglichst gleich weit von jedem Quadratmeter entfernt ist. Er ist gut, wenn die Bereiche mit den wichtigsten Anforderungen vernünftig versorgt werden.
Das kann dazu führen, dass die optimale WLAN-Struktur bewusst nicht vollkommen symmetrisch aussieht.
Gerade bei Homeoffice ist dieser Unterschied wichtig. Eine Verbindung, die für normales Surfen völlig ausreichend wirkt, kann bei Videokonferenzen deutlich schneller auffallen. Dass Streaming funktioniert, während ein Gespräch ruckelt, ist dafür ein typisches Beispiel.
Die Nachbarschaft verändert die Situation ebenfalls
Selbst ein hervorragend platzierter Router muss sich den Funkraum mit seiner Umgebung teilen.
In einem Mehrfamilienhaus oder einer Reihenhaussiedlung arbeiten zahlreiche andere WLAN-Netze in Reichweite. Diese verschwinden nicht dadurch, dass der eigene Router zentral steht.
Besonders am Abend können sich die Bedingungen verändern, wenn ringsherum deutlich mehr Geräte aktiv sind. Genau deshalb kann WLAN zu bestimmten Tageszeiten schlechter funktionieren, obwohl am eigenen Aufbau nichts verändert wurde.
Bei einer Standortbewertung schaue ich deshalb nicht ausschließlich auf den Grundriss. Die Funkumgebung gehört genauso dazu.
Das gilt besonders bei Problemen, die nicht dauerhaft auftreten, sondern stark von Uhrzeit oder Nutzung abhängen.
Der nächste Repeater sollte nicht die automatische Antwort sein
Wenn ein zentral stehender Router einen Bereich trotzdem nicht vernünftig erreicht, wird häufig ein Repeater ergänzt.
Das kann sinnvoll sein, wenn tatsächlich zusätzliche Funkversorgung benötigt wird. Der Repeater muss aber selbst einen guten Weg zum restlichen Netz haben.
Wird er einfach dort platziert, wo das WLAN bereits fast verschwunden ist, verteilt er möglicherweise ein starkes Signal, ohne selbst eine besonders gute Verbindung zu besitzen.
So entstehen Heimnetze mit mehreren Repeatern, in denen die Balken auf den Endgeräten gut aussehen, die gesamte Verbindung aber trotzdem nicht zuverlässig arbeitet.
Deshalb ist vor einer Erweiterung interessanter, warum der zentrale Router den Bereich schlecht erreicht und welche vorhandene Infrastruktur für eine bessere Versorgung genutzt werden kann.
Gerade vorhandene Netzwerkleitungen eröffnen dabei Möglichkeiten, die reine Funklösungen nicht bieten.
Der erste Schritt ist eine Karte der tatsächlichen Nutzung
Bei einer Prüfung interessiert mich deshalb nicht nur der Standort des Routers. Ich möchte wissen, welche Bereiche des Hauses zuverlässig versorgt werden müssen und wie sich die Verbindung dort tatsächlich verhält.
Danach kommt der Weg dazwischen: Welche Wände und Decken liegen auf der Strecke, gibt es mehrere Etagen, wie sieht die vorhandene Verkabelung aus und welche anderen WLAN-Netze sind in der Umgebung aktiv?
Aus diesem Gesamtbild lässt sich beurteilen, ob der vorhandene Standort bereits gut ist und lediglich einzelne Bereiche zusätzliche Versorgung brauchen oder ob die Struktur grundsätzlich anders betrachtet werden sollte.
Der Router muss also nicht falsch stehen, nur weil das WLAN nicht überall gleich gut ist.
Vielleicht erfüllt er an seiner Position genau die Aufgabe, die er dort erfüllen kann.
Die eigentliche Frage lautet dann nicht mehr, ob der Router wirklich in der Mitte steht, sondern ob die WLAN-Versorgung zu dem Haus und seiner tatsächlichen Nutzung passt.