IT-Infrastruktur
Serverraum richtig planen: Strom, Temperatur, Zutritt und Brandschutz
Wenn der Serverraum gleichzeitig Abstellkammer ist
Der Netzwerkschrank steht in einem kleinen Nebenraum, daneben lagern Kartons, Papier und Reinigungsmittel. Im Sommer wird es dort deutlich wärmer als im restlichen Gebäude, die Tür steht deshalb gelegentlich offen, und an derselben Steckdose hängen Server, Switches und eine Mehrfachsteckdose mit weiteren Geräten.
In kleinen Unternehmen ist eine solche Umgebung keineswegs ungewöhnlich. Die IT ist über Jahre gewachsen und irgendwann wurde der Raum genutzt, der verfügbar war. Solange die Technik funktioniert, entsteht wenig Druck, daran etwas zu ändern.
Dabei beherbergt dieser unscheinbare Raum häufig einen erheblichen Teil der betrieblichen Infrastruktur. Server, Datenspeicher, Firewall, zentrale Switches, Telefonanlage und manchmal auch die Datensicherung befinden sich dort auf wenigen Quadratmetern.
Der Raum selbst wird damit zu einem gemeinsamen Risiko für Systeme, die technisch vielleicht gut abgesichert sind.
Ein Serverraum muss kein Rechenzentrum sein
Ein Unternehmen mit zwanzig oder dreißig Mitarbeitern braucht weder Doppelboden noch eine aufwendige Rechenzentrumsklimatisierung. Die Anforderungen sollten zur Größe und Bedeutung der vorhandenen IT passen.
Trotzdem gibt es einige grundlegende Bedingungen, die auch bei einer kleinen Infrastruktur sinnvoll sind.
Die Technik braucht eine stabile Stromversorgung, Temperaturen innerhalb eines vernünftigen Bereichs, Schutz vor Wasser und unnötiger Brandlast sowie einen kontrollierten Zutritt. Gleichzeitig sollte genügend Platz vorhanden sein, damit Geräte gewartet und Verkabelungen nachvollzogen werden können.
Diese Punkte sind wenig spektakulär, beeinflussen die Zuverlässigkeit der gesamten Infrastruktur aber unmittelbar.
Ein hochwertiger Server hilft beispielsweise wenig, wenn er dauerhaft in einem überhitzten Raum arbeitet oder seine Stromversorgung über eine ungeeignete Steckdosenkonstruktion geführt wird.
Wärme entsteht dauerhaft und muss irgendwohin
Server, Switches, Datenspeicher und andere Netzwerkkomponenten wandeln einen erheblichen Teil ihrer aufgenommenen elektrischen Energie in Wärme um. Je mehr Geräte in einem kleinen Raum betrieben werden, desto deutlicher wird dieser Effekt.
Im Winter fällt das häufig kaum auf, während sich derselbe Raum an heißen Sommertagen deutlich aufheizen kann. Steht der Serverschrank zusätzlich in einem schlecht belüfteten Nebenraum oder unter dem Dach, kann sich die Situation weiter verschärfen.
Hohe Temperaturen führen nicht zwangsläufig dazu, dass ein Server sofort ausfällt. Sie belasten jedoch Komponenten wie Festplatten, Netzteile und Lüfter und können deren Lebensdauer reduzieren. Moderne Systeme beginnen bei bestimmten Temperaturen außerdem damit, ihre Leistung zu reduzieren oder sich zum Schutz vollständig abzuschalten.
Deshalb sollte die Temperatur nicht nur bei einem einmaligen Besuch betrachtet, sondern über längere Zeit beobachtet werden. Ein einfacher Temperatursensor mit Überwachung kann zeigen, wie sich der Raum während eines normalen Arbeitstags und besonders an heißen Tagen tatsächlich verhält.
Wenn die Werte regelmäßig zu hoch liegen, braucht es eine passende Lösung. Je nach Raum und Wärmeleistung kann bereits eine bessere Luftführung genügen, während bei größeren Installationen eine aktive Kühlung notwendig wird.
Wichtig ist dabei, die Klimatisierung selbst als technische Komponente zu betrachten. Wenn die gesamte IT nur deshalb funktioniert, weil ein einzelnes Klimagerät ununterbrochen läuft, sollte zumindest bekannt sein, was bei dessen Ausfall passiert.
Die Stromversorgung verdient mehr Aufmerksamkeit als eine freie Steckdose
Viele Störungen beginnen nicht im Server, sondern bei seiner Stromversorgung.
Ein Serverraum sollte deshalb nicht einfach nach dem Prinzip aufgebaut sein, dass irgendwo genügend Steckdosen verfügbar sind. Es sollte bekannt sein, welche Stromkreise verwendet werden, welche Last daran hängt und wie zentrale Geräte gegen kurze Spannungsausfälle oder Schwankungen geschützt werden.
Für wichtige Systeme ist häufig eine unterbrechungsfreie Stromversorgung, kurz USV, sinnvoll. Sie enthält Batterien und kann einen kurzen Stromausfall überbrücken, während sie bei einem längeren Ausfall ausreichend Zeit für ein kontrolliertes Herunterfahren schafft.
Eine USV macht den Betrieb allerdings nicht automatisch ausfallsicher. Ihre Batterien altern und verlieren mit der Zeit Kapazität, weshalb sie regelmäßig überprüft und irgendwann ersetzt werden müssen.
Ein Gerät, das seit acht Jahren ohne Kontrolle im Rack steht, vermittelt möglicherweise mehr Sicherheit, als es tatsächlich noch bietet.
Wo eine USV im Unternehmen sinnvoll ist und was sie tatsächlich leisten kann, sollte deshalb anhand der kritischen Systeme und der örtlichen Stromversorgung entschieden werden.
Doppelte Netzteile helfen nur bei einer sinnvollen Stromführung
Viele professionelle Server besitzen zwei Netzteile. Das klingt zunächst nach vollständiger Redundanz, bringt aber nur dann einen wirklichen Vorteil, wenn nicht beide Netzteile von genau derselben Fehlerquelle abhängig sind.
Stecken beide Kabel in derselben Mehrfachsteckdose, hilft das zweite Netzteil beim Defekt eines einzelnen Servernetzteils, nicht jedoch beim Ausfall dieser Steckdosenleiste oder des zugehörigen Stromkreises.
In größeren Umgebungen werden deshalb unterschiedliche Strompfade eingesetzt. Für ein kleines Unternehmen muss daraus kein aufwendiges Versorgungskonzept entstehen, dennoch sollte verstanden werden, welche Fehler durch die vorhandene Redundanz tatsächlich abgefangen werden und welche nicht.
Das gleiche Prinzip gilt für andere vermeintlich doppelte Systeme. Zwei Geräte im selben Raum sind beispielsweise bei einem lokalen Brand oder Wasserschaden weiterhin gemeinsam gefährdet.
Wasser gehört zu den unterschätzten Risiken
Serverräume befinden sich nicht immer an idealen Stellen. Manchmal verlaufen Wasserleitungen darüber, der Raum grenzt an Sanitärbereiche oder befindet sich im Keller, wo bei Starkregen oder einem Leitungsdefekt Wasser eindringen kann.
Ein Wasserschaden muss nicht den gesamten Raum fluten, um erhebliche Auswirkungen zu haben. Schon Wasser, das von oben in einen Netzwerkschrank läuft, kann mehrere zentrale Systeme gleichzeitig beschädigen.
Deshalb sollte bei einer Vor-Ort-Prüfung auch die Umgebung betrachtet werden. Welche Leitungen verlaufen durch oder über dem Raum? Gibt es Bodenabläufe, Heizungsleitungen oder andere mögliche Wasserquellen? Stehen empfindliche Geräte direkt auf dem Boden?
Bei erhöhtem Risiko können einfache Wassersensoren sinnvoll sein, die einen Alarm auslösen, bevor ein kleiner Schaden unbemerkt größer wird.
Dieser Punkt zeigt gut, warum regelmäßige Vor-Ort-Kontrollen durch den IT-Dienstleister sinnvoll sind. Ein Überwachungssystem kann den Zustand eines Servers hervorragend messen, erkennt aber nicht zwangsläufig, dass bei einem Umbau plötzlich eine Wasserleitung über dem Rack verläuft oder Kartons die Lüftungsschlitze zustellen.
Der Serverraum sollte kein allgemeines Lager werden
Freier Raum ist in kleinen Unternehmen knapp, weshalb ein IT-Raum schnell zur Abstellfläche wird. Dort landen Kartons, Akten, Verpackungsmaterial, Reinigungsmittel oder Ersatzmöbel, weil der Raum ohnehin selten betreten wird.
Aus Sicht der IT ist das ungünstig.
Zusätzliche Gegenstände behindern den Zugang zu den Geräten, verschlechtern möglicherweise die Luftzirkulation und erhöhen je nach Material die Brandlast. Bei Wartungsarbeiten wird außerdem schneller etwas abgestellt oder verschoben, was später Leitungen oder Lüftungswege beeinträchtigt.
Ein Serverraum muss deshalb nicht klinisch leer sein, sollte aber tatsächlich als technischer Raum behandelt werden. Dinge, die mit der dort betriebenen Infrastruktur nichts zu tun haben, gehören nach Möglichkeit an einen anderen Ort.
Auch innerhalb des Serverschranks hilft Ordnung. Kabel sollten nachvollziehbar geführt und beschriftet sein, damit bei einer Störung nicht versehentlich die falsche Verbindung getrennt wird.
Eine sauber dokumentierte und strukturierte Netzwerkverkabelung verkürzt Wartungsarbeiten und reduziert das Risiko, dass jede Änderung weiteren Wildwuchs erzeugt.
Zutritt sollte bewusst geregelt sein
Wenn zentrale Server, Netzwerkkomponenten und Datenspeicher in einem Raum stehen, sollte nicht jeder Mitarbeiter unbeaufsichtigt darauf zugreifen können.
Das bedeutet nicht, aus einem kleinen Serverraum einen Hochsicherheitsbereich zu machen. Eine abschließbare Tür und eine klare Regelung, wer Zugang benötigt, reichen in vielen Unternehmen bereits aus.
Auch externe Dienstleister sollten nicht automatisch freien Zutritt erhalten, nur weil sie technische Arbeiten durchführen. Je nach Situation kann eine Begleitung sinnvoll sein, insbesondere wenn neben der IT weitere sensible Bereiche betroffen sind.
Der physische Zugriff wird bei Sicherheitsbetrachtungen gelegentlich vergessen. Wer direkt vor einem Server, einer Firewall oder einem Switch steht, besitzt Möglichkeiten, die aus dem Netzwerk heraus bewusst eingeschränkt wurden.
Deshalb gehört auch der Raum selbst zum Sicherheitskonzept.
Brandschutz muss zur tatsächlichen Umgebung passen
IT-Geräte können selbst eine Brandquelle darstellen, gleichzeitig reagieren sie empfindlich auf einen Brand in ihrer Umgebung. Besonders problematisch wird es, wenn im selben Raum große Mengen Papier, Verpackungsmaterial oder andere leicht brennbare Gegenstände gelagert werden.
Welche konkreten Brandschutzmaßnahmen erforderlich sind, hängt vom Gebäude, der Größe der Installation und den betrieblichen Vorgaben ab und sollte mit den dafür zuständigen Fachleuten abgestimmt werden.
Aus Sicht der IT ist vor allem wichtig, dass die Infrastruktur nicht unnötig in einer Umgebung betrieben wird, in der ein lokaler Schaden sämtliche zentralen Systeme gleichzeitig trifft.
Dazu gehört auch die Datensicherung. Ein Backup-NAS direkt neben dem Server schützt hervorragend vor dem Defekt einer einzelnen Festplatte oder eines Servers, aber kaum vor einem Brand, der den gesamten Raum betrifft.
Ein Backup an einem räumlich getrennten Standort ist deshalb eine wichtige Ergänzung zu den Maßnahmen im Serverraum selbst.
Auch ein sauberer Raum beseitigt nicht alle Abhängigkeiten
Ein optimal eingerichteter Serverraum kann trotzdem ein zentraler Ausfallpunkt bleiben, wenn sich sämtliche kritische Infrastruktur dort befindet.
Bei einem größeren Brand, einem schweren Wasserschaden oder einem anderen lokalen Ereignis können Server, Netzwerk, Telefonanlage und Sicherung gleichzeitig betroffen sein.
Deshalb sollte bekannt sein, welche Systeme nach einem Totalausfall des Raums wiederhergestellt werden müssten und welche Informationen oder Sicherungen dafür außerhalb dieses Bereichs verfügbar sind.
Eine geplante Reihenfolge für den Wiederanlauf und eine getestete Datensicherung sind damit genauso wichtig wie Klimatisierung und Zutrittsschutz.
Der physische Schutz reduziert die Wahrscheinlichkeit bestimmter Ausfälle. Er ersetzt nicht die Vorbereitung auf den Fall, dass ein Ausfall trotzdem eintritt.
Viele Probleme lassen sich bei einem Rundgang erkennen
Der Zustand eines Serverraums lässt sich erstaunlich gut mit wenigen gezielten Fragen beurteilen.
Ist der Raum ungewöhnlich warm? Gibt es Warnanzeigen an USV oder Servern? Verlaufen Wasserleitungen in unmittelbarer Nähe? Ist der Zugang geregelt? Liegen Kartons oder Papier zwischen den Geräten? Sind Kabel und Komponenten nachvollziehbar beschriftet? Befindet sich die einzige Datensicherung direkt neben den produktiven Systemen?
Solche Punkte erfordern keine komplizierte Analyse und werden dennoch leicht übersehen, wenn sich der IT-Dienstleister ausschließlich per Fernwartung mit Servern und Arbeitsplätzen beschäftigt.
Für kleine Unternehmen geht es dabei nicht darum, aus einem Nebenraum ein Rechenzentrum zu bauen. Es geht darum, einen Raum, von dem ein erheblicher Teil des Geschäftsbetriebs abhängt, auch entsprechend zu behandeln.
Wenn dort Stromversorgung, Temperatur, Zutritt und Umgebung bewusst betrachtet werden und gleichzeitig ein Plan für den Ausfall der zentralen Systeme existiert, ist bereits sehr viel erreicht.