IT-Infrastruktur
Internetausfall im Unternehmen: Welche Backup-Lösungen mit LTE, 5G oder zweiter Leitung sinnvoll sind
Was passiert im Unternehmen, wenn das Internet ausfällt?
Die Computer laufen, der Server im eigenen Gebäude funktioniert und auch das Netzwerk zeigt keine Störung. Trotzdem können Mitarbeiter keine E-Mails versenden, Microsoft 365 ist nicht erreichbar, die Telefonanlage kann keine externen Gespräche führen und ein Außendienstmitarbeiter kommt über VPN nicht mehr an die Unternehmensdaten.
Die Ursache liegt einige Straßen weiter, wo bei Bauarbeiten eine Leitung beschädigt wurde.
Je stärker ein Unternehmen Cloud-Dienste und internetbasierte Kommunikation nutzt, desto größer werden die Auswirkungen eines solchen Ausfalls. Während früher vielleicht hauptsächlich E-Mail und Webseiten betroffen waren, können heute Telefonie, Warenwirtschaft, Zeiterfassung, Fernwartung, Datenaustausch mit Kunden oder Lieferanten und sogar Teile der Produktion von einer funktionierenden Internetverbindung abhängen.
Deshalb sollte nicht erst während einer Störung darüber nachgedacht werden, ob und wie lange das Unternehmen ohne Internet arbeiten kann.
Zuerst muss geklärt werden, welche Dienste tatsächlich vom Internet abhängen
Bevor eine zweite Leitung oder ein 5G-Router angeschafft wird, sollte bekannt sein, welche Geschäftsprozesse bei einem Internetausfall betroffen sind.
Ein Unternehmen mit vollständig lokal betriebener Warenwirtschaft und eigenem Dateiserver kann einige Stunden möglicherweise relativ gut überstehen, während ein Betrieb mit zahlreichen Cloud-Anwendungen bereits nach wenigen Minuten deutliche Einschränkungen bemerkt.
Auch Telefonie spielt eine wichtige Rolle. Bei modernen VoIP-Anschlüssen läuft die externe Telefonverbindung häufig über dieselbe Datenleitung wie der normale Internetverkehr.
Zusätzlich können Standorte über VPN miteinander verbunden sein, Maschinenhersteller Fernwartung benötigen oder Außendienstmitarbeiter auf interne Systeme zugreifen.
Erst aus diesen Abhängigkeiten ergibt sich, wie wichtig eine Ersatzverbindung tatsächlich ist und welche Leistung sie bereitstellen muss.
Die Frage ist deshalb nicht nur, ob Internet verfügbar sein soll, sondern welche Anwendungen während eines Ausfalls weiter funktionieren müssen.
LTE oder 5G sind für viele kleine Unternehmen eine praktische Backup-Lösung
Eine Mobilfunkverbindung eignet sich häufig gut als zweiter Internetweg, weil sie technisch weitgehend unabhängig von der normalen DSL-, Kabel- oder Glasfaserleitung arbeitet.
Fällt der Festnetzanschluss aus, kann eine geeignete Firewall oder ein Router automatisch auf LTE beziehungsweise 5G umschalten. Sobald die Hauptleitung wieder verfügbar ist, erfolgt die Rückkehr auf den normalen Anschluss.
Für viele kleinere Unternehmen ist das eine vergleichsweise wirtschaftliche Möglichkeit, einen vollständigen Internetausfall zu vermeiden.
Die verfügbare Bandbreite kann dabei niedriger sein als auf dem Hauptanschluss, muss für den Notbetrieb aber auch nicht zwangsläufig dieselbe Leistung bereitstellen.
Wenn während des Ausfalls E-Mail, Telefonie, wichtige Cloud-Anwendungen und einige VPN-Verbindungen weiter funktionieren, kann das bereits vollkommen ausreichen.
Mobilfunk muss am tatsächlichen Standort getestet werden
Ein 5G-Tarif mit hoher theoretischer Geschwindigkeit hilft wenig, wenn im Serverraum kaum Mobilfunkempfang vorhanden ist.
Deshalb sollte vor der Planung geprüft werden, welche Netze am Standort tatsächlich zuverlässig verfügbar sind und welche Geschwindigkeit unter realistischen Bedingungen erreicht wird.
Gerade in Produktionshallen können Gebäudestruktur, Metallfassaden und die Lage des Technikraums den Empfang deutlich beeinflussen.
Eine externe oder günstig platzierte Antenne kann sinnvoll sein, wenn der Router selbst an einem für die Netzwerkinfrastruktur geeigneten Standort steht, dort aber schlechter Funkempfang herrscht.
Auch die Auslastung des Mobilfunknetzes spielt eine Rolle. Ein Test an einem Sonntagmorgen sagt deshalb möglicherweise wenig darüber aus, welche Leistung an einem normalen Werktag zur Verfügung steht.
Eine Backup-Verbindung muss nicht besonders schnell sein, sollte aber dann funktionieren, wenn sie tatsächlich gebraucht wird.
Eine zweite Festnetzleitung kann mehr Leistung bieten
Wenn ein Unternehmen auch während eines Ausfalls hohe Bandbreiten benötigt, kann ein zweiter Festnetzanschluss sinnvoller sein.
Dabei sollte allerdings darauf geachtet werden, dass beide Leitungen tatsächlich möglichst unabhängig voneinander sind.
Zwei Verträge bei unterschiedlichen Anbietern bedeuten nicht automatisch, dass zwei vollständig getrennte Leitungswege existieren. Beide Anbieter können beispielsweise auf denselben lokalen Kabelweg oder dieselbe Hauseinführung angewiesen sein.
Wird diese gemeinsame Trasse bei Bauarbeiten beschädigt, fallen beide Anschlüsse gleichzeitig aus.
Für besonders kritische Standorte ist deshalb interessant, wie die Leitungen physisch ins Gebäude gelangen und ob tatsächlich unterschiedliche Infrastrukturen genutzt werden.
Das ist ein typisches Beispiel für einen Single Point of Failure, der trotz scheinbar vorhandener Redundanz bestehen bleiben kann.
Kabelinternet, DSL und Glasfaser können sich sinnvoll ergänzen
Bei einem zweiten Festnetzanschluss kann es gerade deshalb sinnvoll sein, eine andere Zugangstechnik zu verwenden.
Ein Glasfaseranschluss kann beispielsweise durch DSL, Kabelinternet oder eine Mobilfunkverbindung ergänzt werden, sofern diese über einen ausreichend unabhängigen Weg bereitgestellt werden.
Welche Kombination sinnvoll ist, hängt stark von der örtlichen Verfügbarkeit ab.
Die technische Geschwindigkeit des Ersatzanschlusses ist dabei nur ein Kriterium. Häufig ist die Unabhängigkeit von der Hauptleitung wichtiger als maximale Bandbreite.
Eine zweite Gigabit-Leitung, die dieselbe beschädigte Infrastruktur verwendet, hilft im entscheidenden Ausfallszenario weniger als eine langsamere Verbindung über einen tatsächlich unabhängigen Weg.
Starlink kann an manchen Standorten eine zusätzliche Möglichkeit sein
Wo Festnetz und Mobilfunk keine ausreichend unabhängige oder zuverlässige Ersatzverbindung ermöglichen, kann auch satellitengestütztes Internet eine Option sein.
Der Vorteil liegt darin, dass der Zugangsweg grundsätzlich anders funktioniert als lokale Kabel- oder Mobilfunkinfrastruktur.
Dafür benötigt die Antenne eine geeignete freie Sicht zum Himmel, und die Integration in die vorhandene Firewall beziehungsweise Netzwerkstruktur muss genauso geplant werden wie bei anderen Backup-Leitungen.
Für viele kleine Unternehmen wird LTE oder 5G die einfachere Lösung sein, während satellitengestütztes Internet vor allem dort interessant wird, wo lokale Alternativen fehlen oder besonders unabhängige Zugangswege gewünscht sind.
Entscheidend bleibt auch hier die konkrete Situation am Standort.
Die Firewall muss automatisch umschalten können
Eine vorhandene Ersatzleitung hilft nur begrenzt, wenn während eines Ausfalls zunächst ein Techniker anreisen und Kabel umstecken muss.
Bei wichtigen Standorten sollte die Firewall beziehungsweise der Router beide Internetverbindungen kennen und den Zustand der Hauptleitung überwachen.
Fällt diese aus, kann automatisch auf die Backup-Verbindung gewechselt werden. Nach Wiederkehr der Hauptleitung wird wieder zurückgeschaltet.
Ein solches Verfahren wird häufig als Failover bezeichnet.
Dabei sollte nicht ausschließlich geprüft werden, ob die Leitung selbst noch technisch verbunden ist. Es kann vorkommen, dass das Modem weiterhin eine Verbindung anzeigt, obwohl tatsächlich kein sinnvoller Internetzugang mehr besteht.
Eine gute Umschaltlogik kontrolliert deshalb, ob externe Ziele wirklich erreichbar sind.
Nicht jeder Datenverkehr muss über die Backup-Leitung
Wenn die Ersatzverbindung deutlich weniger Bandbreite bietet, kann es sinnvoll sein, während des Notbetriebs bestimmte Dienste zu begrenzen.
Geschäftskritische Anwendungen, E-Mail und Telefonie erhalten dann Vorrang, während große Cloud-Backups, Softwaredownloads oder weniger wichtige Datenübertragungen vorübergehend eingeschränkt werden.
Dadurch lässt sich auch mit einer vergleichsweise kleinen Mobilfunkverbindung ein erstaunlich großer Teil des normalen Betriebs aufrechterhalten.
Bei volumenbegrenzten Tarifen verhindert diese Priorisierung zusätzlich, dass unwichtige Hintergrundübertragungen das verfügbare Datenvolumen verbrauchen.
Die Backup-Leitung muss deshalb nicht zwangsläufig den kompletten normalen Internetverkehr mit voller Leistung ersetzen. Sie soll vor allem die Funktionen aufrechterhalten, die das Unternehmen während der Störung wirklich benötigt.
Telefonie muss beim Failover separat geprüft werden
Ein häufiger Fehler besteht darin, nach der Einrichtung der Ersatzleitung lediglich zu kontrollieren, ob eine Webseite geladen werden kann.
Damit ist noch nicht bewiesen, dass alle wichtigen Dienste funktionieren.
VoIP-Telefonie kann andere Anforderungen besitzen als normaler Internetverkehr. Ebenso können VPN-Verbindungen, feste öffentliche IP-Adressen oder Zugriffe von außen betroffen sein.
Bestimmte Dienste funktionieren über die Backup-Verbindung möglicherweise nur mit zusätzlicher Konfiguration oder überhaupt nicht in derselben Form wie auf dem Hauptanschluss.
Deshalb sollte genau geprüft werden, welche Anwendungen bei einem Failover weiterarbeiten und welche Einschränkungen bestehen.
Für die Geschäftsführung ist diese Information wesentlich wichtiger als die reine Bandbreite des Backup-Anschlusses.
Eingehende Verbindungen können beim Wechsel problematisch werden
Wenn das Unternehmen eigene Dienste von außen bereitstellt, wird die Planung anspruchsvoller.
Ein VPN, ein öffentlich erreichbarer Server oder andere externe Zugänge können an die öffentliche IP-Adresse des normalen Internetanschlusses gebunden sein. Wechselt die Firewall auf Mobilfunk oder einen anderen Provider, ändert sich dieser Zugang möglicherweise.
Bei manchen Mobilfunkanschlüssen stehen außerdem nicht ohne Weiteres öffentliche IPv4-Adressen für eingehende Verbindungen zur Verfügung.
Das muss kein Problem sein, wenn während eines Internetausfalls hauptsächlich ausgehende Cloud-Dienste benötigt werden. Soll dagegen ein externer Standort weiterhin auf lokale Systeme zugreifen, muss dieser Fall bereits bei der Planung berücksichtigt werden.
Die sichere Gestaltung von Fernzugängen sollte deshalb gemeinsam mit der Backup-Internetverbindung betrachtet werden.
Auch Stromausfall kann beide Internetwege gleichzeitig treffen
Eine perfekt geplante zweite Internetverbindung hilft wenig, wenn bei einem kurzen Stromausfall Firewall, Router und beide Modems gleichzeitig abschalten.
Wenn der Internetzugang auch bei kleineren Stromstörungen verfügbar bleiben soll, gehören deshalb die notwendigen Netzwerkkomponenten an eine geeignete unterbrechungsfreie Stromversorgung.
Dabei muss betrachtet werden, welche Geräte für beide Leitungen benötigt werden.
Eine USV für wichtige IT-Komponenten kann dafür sorgen, dass Firewall, Modem, Mobilfunkrouter und gegebenenfalls zentrale Switches während eines kurzen Stromausfalls weiterarbeiten.
Auch hier zeigt sich, dass Ausfallsicherheit selten aus einer einzelnen Komponente entsteht. Die komplette Kette muss funktionieren.
Ein Backup-Anschluss muss regelmäßig getestet werden
Eine Ersatzverbindung, die zwei Jahre unbenutzt im Serverschrank steht, vermittelt nur dann Sicherheit, wenn sie tatsächlich noch funktioniert.
SIM-Karten können gesperrt werden, Tarife ändern sich, Antennen werden bei Umbauten versetzt und Firewallkonfigurationen entwickeln sich weiter.
Deshalb sollte das Failover gelegentlich bewusst getestet werden.
Dabei wird die Hauptverbindung kontrolliert getrennt und anschließend geprüft, ob die Umschaltung funktioniert und die vorgesehenen Dienste tatsächlich weiterlaufen.
Gerade Telefonie, VPN und geschäftskritische Cloud-Anwendungen sollten dabei berücksichtigt werden.
Eine solche Prüfung dauert wesentlich weniger als die spätere Fehlersuche während eines realen Provider-Ausfalls und zeigt sehr schnell, ob die Backup-Lösung noch dem aktuellen Stand der Infrastruktur entspricht.
Nicht jedes Unternehmen braucht eine zweite Leitung
Ein kleiner Betrieb, der problemlos mehrere Stunden ohne Internet arbeiten kann, muss nicht zwangsläufig Geld für einen dauerhaft verfügbaren zweiten Anschluss ausgeben.
Vielleicht reicht dort ein mobiler Hotspot als bewusst akzeptierte Übergangslösung.
Je stärker jedoch Telefonie, Cloud-Anwendungen, Standortvernetzung oder Produktion vom Internet abhängen, desto interessanter wird eine automatisch verfügbare Backup-Verbindung.
Die Entscheidung sollte deshalb aus den tatsächlichen Ausfallfolgen entstehen und nicht aus dem allgemeinen Wunsch nach möglichst viel Redundanz.
Ein IT-Notfallplan kann festhalten, welche Funktionen bei einem Internetausfall benötigt werden und welche Ersatzverfahren vorhanden sind.
Damit lässt sich anschließend sehr konkret beurteilen, ob LTE, 5G, eine zweite Festnetzleitung oder eine andere Lösung den tatsächlichen Bedarf sinnvoll abdeckt.
Eine gute Backup-Verbindung erkennt man am Ende nicht daran, dass zwei Internetverträge auf der Rechnung stehen. Sie zeigt ihren Wert dann, wenn die Hauptleitung tatsächlich ausfällt und die wichtigsten Geschäftsprozesse trotzdem weiterlaufen.